Dein Weg zum Geistesblitz: Kreativitätstechniken zur Ideenfindung

Felix Thönnessen 0 Comments

Alles nur heiße Luft da oben? Egal ob für die Gründung, für die Werbekampagne oder für Mamas Weihnachtsgeschenk – Ideen braucht der Mensch. Ein paar Mal an der Nase kratzen und mit dem Finger schnipsen funktioniert leider nur bei Wickie. Wir aber brauchen da manchmal etwas mehr, um unseren Gedanken auf die Sprünge zu helfen – zum Beispiel Kreativitätstechniken zur Ideenfindung.

Aber funktioniert Kreativität auf Knopfdruck? Fest steht auf jeden Fall, dass sich niemand als unkreative Seele abstempeln muss. Zwar können dir bisher weder ein Knopf noch Alexa beim Erschnüffeln guter Ideen helfen, aber dafür es gibt es ein paar Techniken, Methoden und Tipps, die du anwenden kannst. Mit etwas Übung wirst du damit vielleicht sogar zur Kreativitätsmaschine. Darum verabschiede dich schon mal von der Leere in deinem Kopf, denn ich verrate dir jetzt meine besten Tricks und Kreativtechniken, mit denen auch du an die Geistesblitze jenseits des Tellerrandes kommst.

Meine Top 7 Kreativitätstechniken zur Ideenfindung

Manche der kommenden Kreativitätstechniken kannst du auf eigene Faust durchziehen, für manche benötigst du ein Team. Hier eine Übersicht:

Übersicht zu Kreativitätstechniken zur Ideenfindung

Der Klassiker: Brainstorming

Da klingelt was, stimmt‘s? Vom Brainstorming haben wir sicher alle schon mal was gehört. Kein Wunder, denn das Prinzip dieser Kreativitätsmethode ist denkbar einfach: Während des Brainstormings werden einfach alle Ideen festgehalten, die einem so einfallen. Zu verrückt oder zu unrealistisch gibt es in dieser Phase noch nicht. Einfälle werden erstmal so stehen gelassen, bewertet wird später im zweiten Schritt. Erst dann dürfen die Ideen kritisiert, analysiert und validiert werden.

Das Schöne am Brainstorming ist, dass es herrlich unkompliziert ist. Du kannst es individuell abwandeln, um es auf deine Situation anzupassen oder gar mehrmals, unter veränderten Gegebenheiten, ausprobieren. Die ursprüngliche Form des Brainstormings war eigentlich für die Gruppe gedacht. Selten gab es eine bessere Ausrede sich ein Whiteboard oder ein Flipchart zuzulegen. (Oder breche da nur ich in Euphorie aus?)

So funktioniert Brainstorming in der Gruppe:

Stelle dir ein Team zusammen. Wähle dabei Menschen aus, von denen du glaubst, sie könnten nützlichen Input geben und womöglich sogar eine andere Sichtweise auf die Dinge haben, als du. Je unterschiedlicher die Charaktere, desto bunter werden die Einfälle. Benenne außerdem einen Moderator bzw. eine Moderatorin. Da du diesen Beitrag hier liest, wirst das wohl du sein.

In der ersten Phase, der Ideenfindungsphase, werden einfach alle Gedankengänge in den Raum geworfen und aufgeschrieben. Am Anfang kann man gar nicht genug Ideen sammeln, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit, am Ende wirklich ein solides Ergebnis zu haben, umso höher. Setzt euch für diese Phase am besten ein Zeitlimit, sonst sind euch hier im wahrsten Sinne des Wortes keine Grenzen gesetzt. 30 – 45 Minuten wären optimal. In dieser Zeit ist alles erlaubt: Querdenken, fantasieren, weiterdenken, zerlegen.

Dann, in der zweiten Phase, werden die Einfälle bewertet. Setzt den Timer auf 30 – 60 Minuten und erweckt euren inneren Kritiker zum Leben. Ganz wichtig: Konstruktiv bleiben und dennoch nichts persönlich nehmen. Das gilt für jeden Teilnehmer des Brainstormings. Es geht hier darum, die besten Ideen herauszufiltern und diese zu verfeinern. (Warum muss ich da gerade ans Goldwaschen denken?)

Eine Abwandlung des klassischen Brainstormings ist das Brainswarming. Aber man muss dem Kind nicht immer einen Namen geben, vielmehr kannst du auch selbst kreativ werden und die Methode so abändern, dass sie zu dir und deinem Team passt. Die Idee hinter dem Brainswarming finde ich allerdings ziemlich interessant. Anders als beim Brainstorming, werden die Ideen nicht wild in den Raum geschrien, sondern zunächst auf kleine Zettel geschrieben und erst im Anschluss an die (Pin)Wand geheftet. Diese Methode hat in meinen Augen einige Vorteile: Zum einen kommen introvertierte Menschen besser zu Wort und zum anderen fördert es die Freiheit der Gedanken.

Brainstorming mit dir:

Dass es den individuellen Freigeist fördert, wenn man für sich selbst ist, wurde sogar in einer Studie belegt. Einem Einzelnen kommen demnach bessere Ideen als einer Gruppe. Ob wir diesem Ergebnis nun glauben oder nicht, lassen wir mal dahingestellt. (Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.) Dennoch zeigt es, dass das einsame Brainstormen gar nicht so verkehrt sein kann. Dabei kannst du dich einfach an dem oben beschriebenen Vorgehen orientieren. Zuerst alle Ideen aufschreiben, die so aus dir herauskommen, und im zweiten Schritt die Perlen herauspicken.

Der Neue: Design Thinking

Die Kreativmethode des Design Thinking ist genau so neu, wie sie klingt, und dennoch recht einfach. Eigentlich wechselst du hierbei lediglich die Perspektive. Du betrachtest das Problem nicht mehr aus deinen Augen, sondern aus den Augen des Nutzers. Sollte es also um eine Geschäftsidee geben, schlüpfst du in die Haut des Kunden. Du siehst die Frage vielleicht kommen: Wer ist dein Kunde? Solltest du darauf noch keine Antwort gefunden haben, dann gehe sie jetzt suchen.

Stelle dir die klassischen Fragen: Was wünscht sich dein Kunde? Welche Bedürfnisse und Probleme hat dein Kunde? Welche Art von Mensch möchtest du ansprechen? Um deiner Vorstellungskraft auf die Sprünge zu helfen, kannst du den typischen Tagesablauf

deines Kunden nachahmen – gedanklich oder sogar tatsächlich. Achte auf die Rollen, die er oder sie dabei einnimmt. Vielleicht ist er morgens Familienvater, tagsüber Büroangestellter und abends Bro.

Eines meiner liebsten Beispiele dafür, wie diese Kreativitätstechnik angewendet werden kann, ist eine Beobachtung, die in den USA durchgeführt wurde. Es geht um Milchshakes. Was meinst du, wer ist der klassische Milchshaketrinker? Kinder und Fast Food Fans? Das Ergebnis der Untersuchung hat zumindest mich überrascht: Milchshakes wurden vor allem morgens und vor allem von Berufstätigen gekauft. Sie sahen das süße Getränk als das perfekte und schnelle Frühstück vor der Arbeit an. Natürlich würde das bei uns nicht so passieren, schließlich sind Milchshakes in den USA viel etablierter als hierzulande (obwohl ich zugeben muss, dass sich das schon verlockend anhört). Dennoch zeigt dieses Beispiel, was so ein Perspektivenwechsel bewirken kann. Schon fühlst du dich viel näher am Kunden und kannst seine Bedürfnisse besser verstehen. Hieraus kannst du dann Lösungsansätze ableiten – deine Ideen.

Der Zeitreisende: Blicke zurück

Man soll die Vergangenheit ja bekanntlich ruhen lassen, aber insgeheim wollen wir doch alle in der Zeit zurückreisen, oder? Sei es nur, um Nirvana live zu sehen oder um den Koloss von Rhodos zu bewundern. Zumindest gedanklich, kannst du das jetzt tun. Versuche die Welt so zu sehen, wie sie noch vor 100 oder gar vor 1000 Jahren war. Versetze dich in einen Charakter, der zu dieser Zeit gelebt hat. Das kann ein namenloser Bürger aber auch der Sonnenkönig höchstpersönlich sein. Hauptsache du näherst dich dem Problem aus einem komplett anderen Blickwinkel zu komplett anderen Glaubenssätzen. Die Reise in die Vergangenheit kann dir erleichtern, genau das zu tun – unvoreingenommen zu grübeln. Allerding ist es ganz klar von der jeweiligen Thematik abhängig, ob diese Methode besser oder schlechter funktioniert. Probieren geht über Studieren.

https://www.youtube.com/watch?v=Gsm6w_Yc3Hg

Der Systematische: 6-3-5-Methode

Keine Panik – mehr Zahlen als im Namen dieser Kreativitätstechnik kommen hier nicht mehr vor. Anhand der 6-3-5-Methode lassen sich in kürzester Zeit über hundert Ideen generieren und weiterdenken. Alles was du dazu brauchst sind fünf andere Personen, so dass ihr schlussendlich zu sechst seid, und jeweils ein Blatt Papier sowie einen Stift. Wenn du alles bzw. alle beisammenhast, kann es los gehen. Halt Stopp – zuerst muss noch die Tabelle aufgezeichnet werden: 3 Spalten, 6 Zeilen.

Dann geht’s aber wirklich los. Zunächst überlegt sich jeder Teilnehmer drei Ideen zu einem bestimmten Thema und schreibt sie in die drei Spalten der ersten Zeile. Im Anschluss werden die Blätter reihum weitergegeben. Am besten legt ihr vorher wieder ein Zeitintervall fest, das für jede Runde gilt. Klassischerweise hat jeder fünf Minuten Zeit, um diese drei Ideen in den darunter liegenden Zeilen fortzuführen. Daher der Name 6-3-5-Methode: 6 Teilnehmer mit jeweils 3 Ideen, für die sie 5 Minuten Zeit haben.

Nachdem jeder einmal zu jeder Idee seinen Senf dazu gegeben hat, kommt das Blatt wieder beim ursprünglichen Besitzer an. Darauf finden sich jetzt 108 Gedankengänge. Ich weiß, ich hab‘ vorhin gesagt, es kommen keine neuen Zahlen mehr. Aber lass‘ dir diese Zahl mal durch den Kopf gehen: 3 Ideen x 6 Teilnehmer x 6 Runden – krass oder? Und das in nur 30 Minuten! Solch eine Effizienz lässt mein Herz höherschlagen.

https://www.youtube.com/watch?v=EPbOOXR2jFo&t=5s

Der Träumer: Walt-Disney-Methode

Besonders dem Kind in uns wird diese Technik gut gefallen. Bei der Walt-Disney-Methoden braucht es drei Personen, die alle in unterschiedliche Rollen schlüpfen dürfen. Diese da wären der Träumer, der Realist und der Kritiker. Bevor ihr euch in die Haare kriegt, wer die coolste Rolle spielen darf, sage ich dir gleich, dass du diese Methode gerne auch dreimal durchführen kannst – so darf jeder mal der Träumer sein (schon der coolste Part, oder?).

Der Träumer beginnt mit dem Gedankenspiel und darf sich ganz unbefangen der Ideenfindung hingeben. Auch wenn es dem Realisten vielleicht schon in den Fingern kribbelt – bislang werden den Träumen noch keine Grenzen gesetzt. Erst nachdem die vorher festgelegte Zeitspanne abgelaufen ist, darf sich dieser einschalten. Der Realist unterzieht die verträumten Ideen einem Realitätscheck – war bei dieser Rollenbeschreibung zu erwarten, oder? Er stellt sie auf die knallharte Probe des wahren Lebens und analysiert, wie man die Visionen in die Tat umsetzen könnte. Gesagt, getan – schließlich ist der Kritiker dran. Für den finalen Showdown darf dieser mit konstruktiver Kritik um sich werfen und die realistischen Vorhaben in ihrer Umsetzbarkeit herausfordern.

Diese Kreativitätstechnik mag ich nicht nur aufgrund ihres wunderbaren Namens so gerne. Die Walt-Disney-Methode ist außerdem eine hervorragende Abkürzung aus festgefahrenen Verhaltens- und Denkmustern auszubrechen. (Und Spaß macht das übrigens auch.)

Der Kontrast: Umkehrschluss

Diese Kreativitätstechnik beginne ich erstmal mit einem Beispiel, um dir eine Übersicht zu verschaffen: Angenommen du bist auf der Suche nach kreativen Ideen für deine nächste Produktlinie. Sie soll anders sein und deinen Kunden dennoch genau das bieten, was sie wollen. Anstatt dir also die Frage zu stellen, wie du dein Produkt anders gestalten könntest und was deine Kunden eigentlich wollen, könntest du dich auch folgendes fragen: Wie müsste mein Produkt sein, damit es nichts Besonderes ist? Was wollen meine Kunden auf gar keinen Fall?

Diese Methode bedient sich der Annahme, dass wir häufig nicht benennen können, was wir wollen, sehr wohl aber, was wir nicht wollen. Positive Wünsche sind oft noch gar nicht greifbar für uns, weil die Dimension neu und grenzenlos erscheinen können. Dinge oder Zustände, die wir jedoch ganz klar von unserer Wunschliste streichen, beruhen hingegen oft auf Erfahrungen.

https://www.youtube.com/watch?v=SeTPIvMD5q8

Der Kuppler: Assoziation

Früher, wenn wir eine Freistunde in der Schulte hatten, haben wir manchmal ein Spiel gespielt. Dabei hat sich jeder ein Blatt Papier genommen und ein Gesicht darauf gemalt. Das Blatt wurde einmal umgeknickt, sodass der Kopf nicht mehr zu sehen war, und zum Tischnachbarn gereicht. Dieser hat sich dann dem Rumpf gewidmet, das Blatt einmal mehr umgeknickt und weitergegeben. Der Letzte hat die Beine und Füße aufgemalt, natürlich ohne das Aussehen von Kopf und Bauch zu kennen. Du kannst dir vielleicht vorstellen, welch ein Gelächter da immer ausbrach, wenn wir das Blatt am Ende aufgefaltet haben. Da kamen die übernatürlichsten Kreaturen dabei raus. Kreaturen, die so niemals unserer eignen Fantasie entsprungen wären (Tolkien wäre neidisch geworden).

So ähnlich funktioniert auch das Prinzip der Assoziation. Kombiniere, kombiniere, heißt es hier. Setzt man scheinbar unvereinbare Dinge zusammen, entstehen oft die innovativsten Ideen oder zumindest neues Gedankengut, an dem du dich weiterhangeln kannst. Das Aufbrechen von bestehenden Zusammenhängen, das Neudenken von Gegebenheiten wird auch bei dem Prinzip des kaleidoskopischen Denkens angewandt. Das hört sich jetzt alles sehr hochgestochen an und die Technik braucht vielleicht etwas Übung, aber der Hintergedanke ist simpel. Wie bei einem Kaleidoskop (na, wer muss da an seine Kindheit denken?) werden unterschiedliche Einzelstücke immer wieder neu arrangiert. So entsteht ein neues, anderes Gesamtbild – wie bei den Ungeheuern in der Schule.

Mit der richtigen Kreativitätstechnik geht auch dir ein Licht auf.

Tipps, um aus dem Kreativitätstief zu kommen

Neben diesen Kreativitätstechniken zur Ideenfindung gibt es noch einige, grundlegende Tricks, die deinen Ideenreichtum wieder Feuer unter dem Hintern machen können. Die sind oft ganz schnell umgesetzt und scheinen auf den ersten Blick vielleicht banal, aber deswegen sind sie nicht minder effektiv. Hau rein:

  • Komm mal runter: Schon mal aufgefallen, dass die besten Ideen oft auf dem Klo, im Bett oder unter der Dusche auf uns zufliegen? Das liegt daran, dass unser Gehirn in diesen Situationen oft wenig zu tun hat. Dann macht es sich daran, Erlebtes zu verarbeiten. Gönn dir also mal ein bisschen Ruhe.
  • Der Denker muss an die frische Luft: Der Wechsel der Umgebung kann auch schon Wunder auf unsere Kreativität bewirken. Sei es nun eine kurze Laufrunde, ein Spaziergang oder ein Cappuccino im Lieblingscafé – ein Tapetenwechsel hilft.
  • Andere Menschen, andere Sichten: Sprich doch mal mit deinen Freunden oder sogar mit Fremden über dein Problem. Vor allem wenn du bisher oft allein gegrübelt hast, kann dir das ganz neue Perspektiven eröffnen.
  • Raus aus der Komfortzone: Große Ideen werden selten innerhalb der Wohlfühlzone geboren. Natürlich musst du jetzt nicht gleich zum Bungee-Jumping. Ein knackiges Workout oder der Besuch einer Konferenz voller fremder Menschen bringt oft auch schon was.

Bevor du noch vor lauter Tatendrang implodierst, wünsche ich dir viel Freude beim Kreativ sein. Lass‘ die Köpfe rauchen!

Dein Felix


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