Was bewegt uns alle am 14. Februar eines jeden Jahres zum meist kurzfristigen Blumenkauf? Folgen wir hier einer Erwartung oder wollen wir vielleicht einfach nur nicht aus der Reihe tanzen? Und was hat das Alles mit der Gründung eines Start-ups zu tun? Das will ich dir natürlich verraten – heute geht es um das Thema Perfektion.
„Wollen rote Rose kaufen?“
Stell dir einen Blumenladen vor. Vor dir steht ein Eimer voller wunderschöner roter Rosen. Eine Rose fällt sofort auf. Ihre Blütenblätter schimmern an den Rändern leicht orange. Sie wirkt nicht so makellos wie die anderen. Genau deshalb bleibt sie oft stehen.
Die meisten greifen zur perfekten roten Rose. Warum eigentlich? Nicht, weil sie schöner sein muss. Sondern weil wir gelernt haben, Perfektion mit Wert zu verwechseln. Wir wollen alles richtig machen. Wir wollen gefallen. Und wir wollen keine Kritik riskieren.
Dabei wäre genau diese besondere Rose vielleicht das schönere Geschenk. Nicht, weil sie perfekt ist. Sondern weil sie einzigartig ist. Du könntest sogar eine viel stärkere Geschichte dazu erzählen. Nämlich, dass sie nicht aussieht wie alle anderen. Sondern wie ein Mensch mit Ecken, Kanten und besonderen Facetten.
Genau darin liegt der Punkt. Viele Menschen streben nach Perfektion, weil sie Angst vor Fehlern haben. Sie wollen Anerkennung und Sicherheit. Doch fehlerlos ist niemand. Und ganz ehrlich: Das muss auch niemand sein.
Schon früh lernen wir, dass nur fehlerfreie Ergebnisse belohnt werden. In der Schule gibt es die Eins nur für alles richtig. Für das echte Leben bringt das oft wenig. Denn dieses Streben kostet enorm viel Energie. Und es macht uns oft eng, vorsichtig und unfrei.
Ich glaube deshalb nicht an ein perfektes Leben. Ich glaube eher an Entwicklung. Die meisten wichtigen Lektionen lernen wir nicht aus glatten Erfolgen. Wir lernen sie aus Fehlern, Umwegen und Fehltritten.
Wenn du immer nur perfekt sein willst, bleibst du oft auf sicheren Wegen. Doch gerade neue Ideen brauchen Mut. Mut zur Lücke. Mut zum Unfertigen. Und manchmal auch Mut zur orangenen Rose.
Die perfekte Idee
Es gibt Menschen, die ihr Leben lang nach der perfekten Idee suchen. Genau diese Menschen bringen oft nie ein Produkt auf den Markt. Das sehe ich immer wieder bei Startups, die ich begleite. Dahinter steckt meist eine starke eigene Vision. Diese Vision ist wertvoll. Aber für ein wirklich perfektes Produkt brauchst du fast immer viel Geld. Und genau das fehlt am Anfang meistens.
Deshalb musst du Schritt für Schritt vorgehen. Ich nenne das gern Salami Taktik. Du näherst dich deiner Idee Stück für Stück. Gerade perfektionistische Gründer tun sich damit oft schwer. Sie verlieren sich schnell in Details. Dabei geht es nicht darum, die große Idee aufzugeben. Es geht darum, sie überhaupt erst umzusetzen. Wenn du zu perfekt startest, geht dir oft das Geld oder die Energie aus. Genau deshalb wird Perfektion schnell zum Hemmnis.
In Gesprächen mit Gründern arbeite ich deshalb immer heraus, was für die ersten Schritte wirklich nötig ist. Nicht mehr und nicht weniger. In jedem Bereich musst du entscheiden, wie viel Einsatz sinnvoll ist. Entscheidend ist immer die Frage: Rechtfertigt der Aufwand den Ertrag noch?
Was bringt dir ein perfektes Webdesign, wenn niemand auf deine Seite kommt? Was bringt dir ein perfekter Prototyp, wenn ihn niemand profitabel produzieren kann? Genau hier zeigt sich das Problem. Perfektion lähmt oft den nötigen Pragmatismus. Sie frisst Energie an der falschen Stelle.
Natürlich braucht jede Idee eine gewisse Reife. Die Qualität darf nie so schwach sein, dass sie Marke oder Nutzen schadet. Aber zwischen schlampig und perfekt liegt ein viel besserer Bereich. Genau dort entsteht Fortschritt. Am Ende geht es nicht um Perfektion. Es geht um Balance.
Der perfekte Gründer
Ich kann dir aus zwei Perspektiven sagen, warum Perfektion bei Gründern problematisch sein kann. Einmal als Startup Coach und einmal als Investor. Natürlich zählt die Idee. Mindestens genauso wichtig sind aber die Menschen dahinter. Denn mit ihnen arbeitet man am Ende zusammen.
Viele glauben, perfektionistische Gründer machen weniger Fehler. Das klingt gut, stimmt aber oft nicht. Solche Menschen verlieren sich schneller in Details. Sie reagieren häufiger gestresst und nehmen Kritik oft persönlicher. Genau das kann für Investoren, Berater und das Team anstrengend werden.
Gerade für Startups ist es aber entscheidend, offen für Feedback zu bleiben. Wer wachsen will, muss Hinweise von erfahrenen Menschen annehmen können. Nicht als Angriff, sondern als Chance. Wenn jemand seinen Selbstwert zu stark an Leistung koppelt, fällt genau das schwer. Dann blockiert die eigene Kränkung oft den nächsten richtigen Schritt.
Hinzu kommt noch etwas anderes. Kleine Erfolgsmomente geben Energie. Sie helfen Gründern, dranzubleiben und an ihre Idee zu glauben. Wer jedoch selbst in guten Momenten nur nach Fehlern sucht, verliert irgendwann Kraft und Freude. Genau das kann eine Idee langfristig kaputtmachen.
Auch als Führungskraft ist übertriebene Perfektion schwierig. In wachsenden Startups brauchst du Menschen, die motivieren und stärkenorientiert führen. Wer von sich und anderen ständige Fehlerlosigkeit erwartet, erzeugt schnell Druck statt Entwicklung. Gute Führung bedeutet nicht, perfekte Menschen zu formen. Gute Führung bedeutet, Stärken zu erkennen und gezielt zu fördern.
Genau deshalb ist Perfektion oft kein Vorteil, sondern ein Risiko. Für Gründer, für Teams und auch für Investoren.
Vom Märtyrer zum Liebesboten
Kommen wir an diesem besonderen Tag noch einmal zu unseren roten Rosen und zum vergangenen Valentinstag zurück. Denn gerade ungeplante Zufälle schreiben oft die schönsten Geschichten.
Hast du dich jemals gefragt, warum ausgerechnet der Valentinstag der Tag der Liebenden ist? Und warum gerade Valentin damit verbunden wird? Ich ehrlich gesagt lange nicht. Doch bei all den Rosenkäufern drängt sich die Frage plötzlich auf.
Also schauen wir genauer hin. Der heilige Valentin war wohl ein italienischer Bischof und Märtyrer. Warum er als Patron der Liebenden gilt, lässt sich historisch nicht eindeutig belegen. Um seine Person ranken sich mehr Spekulationen als gesicherte Fakten. Vielleicht war er ein Bischof aus Terni, der um das Jahr 268 in Rom starb. Klare Quellen über sein Leben gibt es jedoch nicht.
Und genau das ist doch faszinierend. An Valentin ist historisch kaum etwas wirklich perfekt geklärt. Trotzdem prägt sein Name bis heute einen ganzen Tag. Und ganz nebenbei beschert er der Blumenbranche jedes Jahr Rekordumsätze.
Was können wir daraus mitnehmen? Sieh in Andersartigkeit keinen Fehler, sondern etwas Einzigartiges. Genau das macht Dinge spannend. Und genau das gilt auch für dich als Mensch. Strebe nicht ständig nach Perfektion. Lerne loszulassen, pragmatisch zu handeln und Dinge voranzubringen.
Erwarte auch von anderen keine Fehlerlosigkeit. Das erzeugt nur Druck und führt oft dazu, dass du irgendwann alles allein machen willst. Gib anderen lieber Raum für Ideen, Änderungen und ehrliche Kritik. Das kostet dich wenig, gibt anderen aber das gute Gefühl, gebraucht zu werden. Und genau daraus entstehen oft die besten Geschichten.
Als Keynote Speaker habe ich auch nicht gleich vor 10000 Menschen gesprochen, das braucht eben seine Zeit. Nimm dir diese Zeit.
Bleib motiviert und im richtigen Maße unperfekt.
Felix






