Mitdenken, Freude schenken Warum Digitalisierung allein keine Probleme löst.

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Mitdenken, Freude schenken Warum Digitalisierung allein keine Probleme löst.

Mitdenken, Freude schenken Warum Digitalisierung allein keine Probleme löst. 1170 658 Felix Thönnessen - Keynote Speaker und Mentor

Was bisher geschah

Mein Urgroßvater hat das erste Auto erlebt. Seine Eltern haben ihm Pflanzen oder Tiere gelernt, auch ohne AI-Bilderkennungssoftware auf dem Smartphone. Den Traum vom Fliegen hat mein Opa sich nie erfüllen könnte, dennoch war er Zeitzeuge als die Gebrüder Wright 1903 in Kitty Hawk erstmals den Boden unter den Füßen verloren – im positiven Sinne. Etwa 60 Jahre später saß mein Vater aufgeregt vor dem Schwarzweiß-Fernseher und sah, wie Menschen erstmals einen Fuß auf den Mond setzten. Computer waren so groß wie Busse.

Und dann sind wir schon bei mir. Ich habe den Wechsel von SW-TV zum Farbfernseher noch gerade so erlebt. Irgendwann hatte das Wählscheibentelefon plötzlich Tasten. Und wer hätte gedacht, dass das Fax BTX überleben würde? Die ersten Modems haben lustig piepend die Telefon- und Faxleitung blockiert. Anfänglich zog man das Mobiltelefon ob seines Gewichtes im Bollerwagen umher – bis man sie zwischenzeitlich mit der Lupe suchen musste. Seit die Handys nun keine Tasten mehr haben, braucht man keine Angst mehr vor dem Internetknopf zur Hölle haben. Wir haben unser CD-ROM-Laufwerk noch selbst in den Computer gebaut und in den Startdateien Speicher freigeschaufelt, damit diese Dinger überhaupt laufen – und heute hat mein Computer gar kein CD/DVD-Laufwerk mehr.

Meine Kinder werden nie verstehen, warum immer ein Bleistift neben dem Musikkassettenrekorder lag. Dafür kennen Sie gerade noch die CD, während Videorekorder, Schallplatten, Walkman, MP3-Player, DVD, HD-DVD, Blu-ray wegen VoD schon fast wieder vergessen sind. Egal, das Smartphone vereint heute Videokamera, Telefon, Taschenrechner, Wecker, Stoppuhr, Straßenatlas, Walkman, Wetteruhr, Tageszeitung, Notizblock, Portemonnaie, Fernsehen, Telefonbuch, Spielekonsole, Fotoalbum, Navigationsgerät, Diktiergerät und es geht weiter.

 

Status Quo

Es war schon so einiges, was da in den letzten etwa 120 Jahren passierte. Ob wir diese Entwicklung damals Industrialisierung oder heute Digitalisierung nennen möchten. Es geht voran.

Wahrscheinlich müssen wir nicht tagtäglich „eine Delle ins Universum schlagen“ (Zitat von Steve Jobs). Da war Friedrich Nietzsche moderater: „Ziele nach dem Mond. Selbst wenn du ihn verfehlst, wirst du zwischen den Sternen landen.“

Wenn ich nur diese beiden Ansichten vergleiche, dann spiegelt sich für mich die aktuelle Situation wider. Die „Delle“ im „Universum“ ist deutlich emotionaler, mitreißend und visionär. Letzteres klang seinerzeit vermutlich ebenso reißerisch, aber irgendwie auch bescheiden oder bodenständig.

Beeindruckende Zahlen

Die Entwicklungszyklen werden immer kürzer. Der Klassiker ist das Moore´sche Gesetz, welches, einfach erklärt bedeutet, dass die Chip-Hersteller alle 18 Monate eine neue Chip-Generation auf den Markt bringen. Und das war bis ca. 2015/2016 so, als man an physikalische Grenzen gestoßen ist. Seitdem sind es „nur“ noch etwa alle 30 Monate.

Gehen wir zurück ins letzte Jahr: Ein Journalist gedenkt der Mondlandung von Apollo 11, die vor 50 Jahren, am 16. Juli 1969, stattfand. In diesem interessanten Artikel vergleicht er den Apollo Guidance Computer (AGC) mit Taschenrechnern und Mobiltelefonen. Ohne uns in Details zu verstricken: Der AGC hatte eine Masse von über 30kg und im Vergleich zum Taschenrechner TI-73 (1998) bzw. TI-84 (2004) unterlag er in der Rechenleistung um Faktor 140 bzw. 350. Für die jüngeren Leser: Das iPhone 6 soll etwa um Faktor 120.000.000 schneller gewesen sein.

Ich glaube, die NASA hätte gerne etwas weniger Gewicht nach oben geschossen. Und mehr Rechenleistung schadet bekanntlich nie. Vielleicht hatten die schon was Schnelleres in der Schublade. Völlig nebensächlich, die haben es geschafft.

Fluch & Segen zugleich

Die digitale Transformation ist nicht aufzuhalten. In vielen Bereichen hält sie Einzug in unser Leben. Ob das gut oder schlecht ist? Denken wir mal nach:

Digitalisierung verbindet Menschen

Es hat lange gedauert. Jetzt hat die Oma ein Tablet. Mehrmals die Woche hat Oma eine Videokonferenz mit Ihren Enkeln. Es ist egal geworden, dass 300km zwischen ihnen liegen. Es könnten auch 3000km sein. Eine Umarmung von Oma fällt vielleicht aus, aber Sie kann sich die Träne nicht verdrücken, wenn der Enkel stolz sein Bild zeigt, das er gestern gemalt hat. Hier ist die Technik so einfach, dass jung und alt in der Lage sind diese zu bedienen.

Digitalisierung trennt Menschen

Wir alle kennen die Bilder der Kinder, die morgens an der Bushaltestelle stehen und jeder für sich in sein Smartphone starrt. Die wenigen, die keines haben oder nur das Modell vom letzten Jahr, zählen ja nicht.

Man verabredet sich über den Messenger zum gemeinsamen Zocken bei Brawl Stars. Dabei stehen Nachrichtenschreiber und Nachrichtenempfänger nebeneinander. Die Kommunikation wird auf Hashtags, Emojis und kryptische Zeichenfolgen reduziert. So richtig schlimm wird es dann, wenn das WLAN ausfällt. Dann muss man tatsächlich miteinander Rede; ein furchtbarer Gedanke.

Digitalisierung heißt Chance

Kürzlich, während der Schulauswahl für die weiterführende Schule meines Sohnes, war ich schon irgendwie beindruckt, was heute in so mancher Schule als „Tafel“ betitelt wird. Das ist mittlerweile ein überlebensgroßer Flatscreen mit Internetanschluss. Jegliche Web- oder Desktopanwendung läuft und tatsächlich kann man darauf auch noch so schreiben wir früher, auch wenn die Kreide einem Stift gewichen ist. Nur der nasse Schwamm hat ausgedient. Schade, der hat Spaß gemacht.

Aber was das Beste daran ist: Die Kinder lernen anhand einer konkreten Problemstellung, wie Sie das Internet sinnvoll zu Ihrem Vorteil nutzen können und das dort erhältliche Wissen anwenden können. Wissen welches nicht explizit im Lehrplan drin steht und einfach so vermittelt wird. Wir lernen in Bildern und plötzlich wird der Biologieunterricht durch kurze Videos oder Animationen viel interessanter.

Digitalisierung heißt Verantwortung

Es ist ja nicht damit getan, einem Kind ein Smartphone oder Tablet in die Hand zu drücken. Wie eben schon angerissen, müssen wir die Kinder an die Technik heranführen. Das ist von daher schon schwierig, weil ja die Eltern selbst von der Entwicklung überrannt werden.

Wussten Sie, dass es möglich ist, die Textbubbles im Messenger mit unzähligen Effekten aufzupeppen? Da wird gewackelt, da fliegt Konfetti und mit Geheimtinte kann man auch schreiben. Ich musste selbst feststellen, dass ein 10-jähriger dass weiß. Macht ihn das nun zum Genie und mich und jeden, der das nicht weiß zum Trottel?

Ich habe mir einen sehr interessanten Vortrag an der Schule angehört. Der war landesbeauftragter Datenschützer und hat erstmal alle anwesenden Eltern (mich eingeschlossen) in ein Fake-WLAN gelockt. Dadurch konnte er die Eltern namentlich begrüßen.

Erschreckend wurde es, als herauskam, was so typischerweise an Schulen bereits in der 6. Klasse abgeht. Die Kurzform: Die Staatsanwaltschaft hat sämtlich Handys dieser Klasse einkassiert, ebenso alle im Haushalt befindlichen Computer der Verursacherin. Ach so, die Mutter war selbständig, aber egal, der Rechner war erstmal weg.

Lobenswert, dass die Hersteller den Eltern sinnvolle Möglichkeiten geben, die Nutzung der Geräte zu kontrollieren. Kontrolle klingt erstmal nach George Orwell. Doch ein sinnvolles Maß ist notwendig. Kinder brauchen die Freiräume, sich auszuprobieren. Aber wissen Sie, wie lange Ihr Kind durchschnittlich und tatsächlich am Handy aktiv ist?

Es ist ok, dass das Kind um Erlaubnis fragen muss, ob eine App installiert werden darf. Auch ob die Nutzung, zumindest bestimmter Apps, zeitlich beschränkt wird. Ein Kind muss wissen, was passiert, wenn es bestimmte Informationen oder Bilder versendet.

Wer kann diese Verantwortung wahrnehmen, bei diesem wahnsinnigen Tempo?

Digitalisierung muss funktionieren

Ich glaube, das, was wir verstehen müssen, ist einfach: Es nützt nichts, jetzt einfach alles digital zu machen. Digitalisierung alleine ist nicht die Lösung des Problems, aber sie wird glorifiziert als die ultimative Lösung für alle Probleme. Wen wundert es daher, dass Digitalisierung auch als Lösung für Corona herhalten muss.

Viele Schulen gehen lobenswert voran, sie leihen die Computer der schulischen Computerräume an die Familien aus, die eben, ja das gibt es, noch immer keinen PC im Haus haben.

Die Enttäuschung wird dann richtig groß, wenn über Moodle eine Videokonferenz mit 20 Kindern zu Diaschau verkümmert, weil der schulische Server an die Grenze kommt und/ oder weil die Internetverbindung der meisten Haushalte lächerlich gering ist.

Wohl bemerkt in Deutschland, einem Industrieland. Parallel gibt es ja auch noch ein oder zwei Eltern, die im Homeoffice arbeiten und zeitgleich diesen wichtigen Videokonferenz-Termin haben. Diashow ade, herzlich Willkommen Standbild.

Hier fährt die Digitalisierung erst einmal gegen die Wand. Weder die kabelgebundene Infrastruktur noch die Funknetzabdeckung ermöglichen es, die Menschen überhaupt zu verbinden. Ein paar Millionen Menschen stehen außen vor. Gibt es nicht sowas wie eine Schulpflicht?

Die, die verbunden sind, erleben die Grenzen der technischen Möglichkeiten, aufgrund der deutlich erhöhten Netzlast. Ok, wir sind ja am Ausbau dran. Aber im Vergleich zu den Visionen schlauer Köpfe hinkt die Infrastruktur einfach nur hinterher. Nicht erst seit 5G, sondern schon bei ISDN und DSL. Und das bis heute.

Digitalisierung muss nicht immer sein

Bleiben wir bei Corona. Da der Präsenzunterricht in der Grundschule irgendwann eingestellt wurde, wurden noch schnell Aufgabenblätter verteilt und im Folgenden wöchentlich von der Lehrerin via Post an die Eltern versendet. So richtig undigital – aber es funktioniert!

In erster Linie geht es also um die Frage, welches Ziel ich erreichen möchte. Das ist im konkreten Fall einfach zu beantworten:

„Mein Kind soll von zuhause aus am Schulunterricht teilnehmen können.“

Und das Ziel ist nicht:

„Mein Kind soll von zuhause aus interaktive Videokonferenzen mit der Schule und Moodle mit Computer, Tablet oder Handy machen können.“

Sie merken den Unterschied? Die zweite Formulierung schließt viele Möglichkeiten das Ziel zu erreichen aus.

„Reden kann jeder! Was sollen wir denn machen?“

Ich maße mir nicht an, DIE Lösung zu haben. Aber wie wäre es hiermit?

Ich traue mich kaum es auszusprechen. Es ist schon ziemlich old school – im wahrsten Sinne des Wortes. Wer von den Lesern kennt noch das Telekolleg? Damals, in den dritten Programmen, zum Beispiel „Englisch“. Da war dieser sympathische, schlanke, vollbärtige Engländer mit Brille in dem farblich charmant braun gehaltenen Studio – und sein dezent brauner Pullover stand dem Studio in Sachen Lernmotivation in nichts nach.

Wäre es nicht toll, basierend auf den Lehrplänen der Kultusminister aller Bundesländer, ein paar Lehrer zusammen zu stellen, die sich vor eine Kamera stellen und kleine Unterrichtseinheiten aufnehmen. Im Schulalltag machen sie das doch – nur eben ohne Kamera.

Jedes gängige Smartphone, und da wären wir wieder richtig digital, dürfte eine Qualität an den Tag legen, die für eine Ausstrahlung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausreicht. Aktuell fällt mir keine Serie oder Sendung ein, die dem nicht weichen könnte.

Alternativ gibt es viele Lernplattformen, die bereits jetzt hochwertigen Content bieten. Da kann jeder Lehrer seine Linksammlung zum besten geben. Diese dann im Fernsehen auszustrahlen ist definitiv kein Problem.

Klar, wir erinnern uns alle, wie trocken und steif das Telekolleg manchmal war, aber wir machen jetzt einfach Telekolleg 2.0. Die Schulstunde ließe sich bestimmt mit dem ein oder anderen YouTube Video oder einer informativen Fernsehdokumentation aufwerten: Die Mediatheken von ARD und ZDF bieten da schon einiges. Wir haben doch nun wirklich auf alles Zugriff.

Das Schöne daran wäre, dass bekämen wir sehr schnell hin. Brechen wir herunter, wie viele Schulen, respektive Lehrer in Deutschland verfügbar sind, so könnte der Unterricht auf Sendung gehen. Die Kernaufgabe dürfte dabei sein, die Länder so zu koordinieren, dass alle Minister zufrieden sind und sich auf einen Notfall-Stundenplan einigen.

Doch nochmal kurz zurück zum Telekolleg. So old-fashioned das Fernsehen auch ist, es hat aktuell die Verfügbarkeit, die wir brauchen. Zwischen den Lerneinheiten im Fernsehen könnten die „echten“ Klassenlehrer in Telefonkonferenzräumen mit „Ihren“ Kindern in einer Art „Vor- oder Nachbesprechung“ zum „Schul-Fernsehprogramm“ direkt kommunizieren und Fragen klären, ggf auch in kleineren Gruppen.

Die Krise kocht gerade wieder hoch und sie wird dauern und wir wissen nicht, wann und ob der Impfstoff kommt. Irgendwann kommt dann die nächste Herausforderung und klingelt an der Tür. Bis dahin können wir Inhalte erstellen, mit äußerst geringem Aufwand und die Netze ausbauen, weil wir dann über Internet tatsächlich flexibler „senden“ könnten.

Wer jetzt noch weiterdenken möchte: Lasst uns das ganze Filmmaterial mit Untertitel versehen, gerne auch noch Gebärdensprache und jedes Land der Welt könnte, wenn es will, Unterricht ausstrahlen.

Und damit wir dann auch endlich digital werden, machen wir es in der Mediathek abrufbar, sodass ein Kind den Lernstoff bei Bedarf wiederholen kann oder, wenn es krank war, den Stoff nachholen kann.

 

Wo geht die Reise hin?

Die einen nennen es Verantwortung, andere Ethik. Die Geschichte zeigt, dass Entwicklungen in einem exponentiellen Tempo voranschreiten. Eine Spitzenleistung jagt die nächste. Und der Themenkatalog ist prall gefüllt: Künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos, intelligente Häuser, nach dem Mond kommt der Mars.

Und ohne das Bremsen zu wollen, sollten wir uns ein Beispiel an der Natur nehmen. Extreme haben es schwer. Der Gepard ist mit Sicherheit das schnellste Landtier. Er ist aber auch eher ein Einzelgänger und vom Aussterben bedroht. Der Supersportwagen ist brutal schnell, aber sowas von unpraktisch, wenn ein Großeinkauf ansteht. Und das beste Smartphone ist ohne Strom und WLAN ein Schatten seiner selbst.

Manchmal, ja manchmal würde es einfach reichen, den Fokus auf das Ziel zu lenken. Jeder ist herzlich eingeladen. Und wenn die digitale Lösung eine oder die Lösung ist, dann bin ich auch gerne dabei. Warum? Ich mag das digitale Zeugs ja auch.

Über den Autor:

Peter Wellmann ist 44 Jahre alt, studierter Maschinenbauer und seit 20 Jahren in der medizintechnischen Produktentwicklung unterwegs.

Mehr zu Peter Wellmann erfahren Sie auf seiner Website (www.hexapproach.de).

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