Investoren finden für Startups

Felix Thönnessen 0 Comments

Hast du eine geniale Geschäftsidee, die zumindest am Papier zu 100 % überzeugt? Oder hast du vielleicht schon ein Unternehmen gestartet, dem für den nächsten Expansionsschritt nur noch die Finanzmittel fehlen? Dann ist es jetzt an der Zeit, dich einem Thema zu widmen, mit dem die meisten Start-ups irgendwann konfrontiert sind: Wie kann ich Investoren finden, die mein Business optimal unterstützen?


Das Wichtigste zuerst: Es gibt viele verschiedene Investoren – darunter auch solche, die dir nicht finanziell, sondern mit Wissen und Erfahrungswerten weiterhelfen! Die erste Frage, die du dir stellen musst, lautet deshalb nicht: „Wo kann ich einen Investor finden?“ sondern „Welcher Investor passt zu mir?“. Und der größte Fehler, den du bei der Investorensuche machen kannst? Alle Investoren in einen Topf werfen und unüberlegt Massenanfragen ausschicken.

Welche Investoren gibt es?

Manche Investoren unterstützen Unternehmen schon in der Seed- oder Gründungsphase. Andere bevorzugen es, das Wachstum in der Expansionsphase anzukurbeln. Es gibt reine Finanzinvestoren, solche, die eine echte Partnerschaft mit den Gründern anstreben, und sämtliche Variationen dazwischen. Aber (fast) jeder Investor verknüpft seine Beteiligung mit Bedingungen. Nimm diese nicht auf die leichte Schulter! Dass du dein Möglichstes tust, um deinen Teil der Vereinbarung einzuhalten, sollte selbstverständlich sein.

Tauchen wir gleich direkt ein! Damit du die richtigen Investoren finden kannst, musst du deren grundlegende Unterschiede kennen. Es gibt:

Accelerator oder Inkubator:

Diese sind für Startups in der Gründungsphase interessant. Hier stehen nicht zwangsläufig Finanzmittel im Vordergrund, sondern die operative Unterstützung. In den Inkubatoren (Brutkästen) helfen Experten und erfahrene Unternehmer jungen Startups beim Geschäftsaufbau; zum Beispiel beim Erstellen eines Businessplanes und dem Entwickeln von Marketingstrategien und Unternehmenskonzept. Du kannst in einem Incubater aber auch wichtige Kontakte knüpfen. Häufig darfst du zusätzlich eine kostengünstige Bürofläche nutzen. Es gibt auch Acceleratoren, die überhaupt keine Finanzierung anbieten, sondern nur mit Know-How und Erfahrungswerten unterstützen.
Dein neugegründetes Business bekommt in Acceleratoren zwar einen Kickstart, und du vermeidest bestimmt auch viele „Anfängerfehler“. Allerdings wird dabei recht stark in deine Geschäftsstrategie eingegriffen. Wichtige Entscheidungen kannst du als Gründer deshalb unter Umständen nicht frei treffen. Zusätzlich bist du von Anfang an stark von deinen Investoren abhängig.

Company Builder

Dieses Konzept funktioniert ähnlich wie das der Inkubatoren. Der Unterschied: Die Geschäftsidee stammt hier von den Investoren selbst und wird vom Gründerteam nur umgesetzt. Auch in Company Buildern haben die Gründer wenig Entscheidungsfreiheit.

Business Angel/Angel Investor

Das sind üblicherweise wohlhabende Unternehmer, ehemalige Gründer oder Privatpersonen, die ihr Eigenkapital in Startups investieren – häufig in solche in der Seedphase. Business Angels bringen sich nicht nur finanziell, sondern auch mit wertvollem Know-How in das Business ein. Dafür wollen sie üblicherweise eine Beteiligung am Unternehmen. Allerdings gibt es hier natürlich große Unterschiede, weil jeder Business Angel eigene Absichten und Ziele verfolgt. Deshalb variiert die Höhe der typischen Investments: Alles zwischen 25.000 und 150.000 Euro ist normal. Um Business Angels oder Angel Investoren zu finden, bist du mit einer gezielten Recherche am erfolgreichsten; zum Beispiel anhand von bisherigen Investments.

Venture Capital oder VC-Gesellschaften

Diese Investoren setzen bevorzugt auf innovative Unternehmen und Startups mit einem Technologie-Schwerpunkt. Es gibt privatwirtschaftliches Venture Capital, Corporate Venture (Kapital, das von Großunternehmen stammt) und Beteiligungsgesellschaften der landeseigenen Förderbanken.

Venture Capital-Investoren erhalten üblicherweise eine Unternehmensbeteiligung im Gegenzug für ihr Investment. Diese Finanzierung muss zwar nicht zurückgezahlt werden. Dafür werden VC-Investoren aber an den künftigen Profiten beteiligt. Sollten die Gewinne deines Unternehmens also recht groß sein, musst du auch höhere Summen an deine Investoren auszahlen.

VC-Investoren haben im Normalfall kein Interesse an einer Mehrheitsbeteiligung. Als Miteigentümer können sie die Unternehmensführung im Startup aber trotzdem anpassen und haben in gewissen Situationen Mitspracherecht. Ihr Ziel ist es üblicherweise, ihre Unternehmensbeteiligung 5-7 Jahre später gewinnbringend zu verkaufen oder das Unternehmen an die Börse zu bringen. Besonders wenig persönliches Interesse an deinem Unternehmen haben Finanzinvestoren. Diese sind häufig als Fonds organisiert und setzen nur das Kapital ihrer Anleger ein.

Beim Corporate Venture Capital hingegen nutzen große Konzerne ein Startup, um neue Technologien oder Produkte zu entwickeln oder in neue Märkte zu expandieren. Das hat für den Großkonzern den Vorteil, dass er sein – oft träges – eigenes Geschäftsmodell nicht verändern muss, ohne zu wissen, ob sich das Risiko tatsächlich lohnt. Corporate VC-Investoren sind also nicht nur am finanziellen Gewinn interessiert, sondern wollen auch auf andere Weise für ihren eigenen Betrieb profitieren. Das kann für dich als Gründer sehr nützlich sein, aber dazu führen, dass bevormundend in dein Geschäft eingegriffen wird.

Bankkredit

Wenn du die Zügel für dein Unternehmen auf keinen Fall aus der Hand geben willst, kannst du auf einen klassischen Kredit setzen. Der Vorteil: Du darfst völlig frei über dieses Kapital verfügen. Und der Nachteil? Natürlich die regelmäßigen Rückzahlungen.

Investor finden – aber wo?

Startup-Events: Das ist der heißeste Tipp! Viele Investoren sind nur dort unterwegs, um interessante Startups zu finden und potenziell in sie zu investieren. Schick das kommunikativste und charmanteste Mitglied deines Gründerteams auf so viele Veranstaltungen wie möglich und sorg dafür, dass er oder sie mit vielen Menschen spricht. Events sind übrigens nicht nur eine gute Idee, um Investoren zu finden, sondern auch, wenn ihr andere Startups für eine mögliche Kooperation sucht.

Wettbewerbe: Die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ kennst du bestimmt. Aber es muss nicht gleich großes Fernsehen sein: Gründer-Wettbewerbe gibt es auch abseits der Fernsehkameras – und sie sind ebenso hilfreich dabei, Investoren zu finden und zu überzeugen.

Kalt-Akquise: Diese setzt recht viel Recherchearbeit voraus. Sieh dir die Website von interessanten Unternehmen oder Business Angels genau an und verschicke maßgeschneiderte Nachrichten an ausgewählte Investoren. Je genauer du aufzeigen kannst, warum ein Investor so gut zu deinem Projekt passt, desto höher sind die Erfolgschancen!

Investorenvermittlung: Spezielle Firmen vermitteln Kapitalgeber an Startups und finden so einen Investor für dich. Solche Unternehmen haben meist viel Erfahrung in der Investorensuche und können dir einiges an Arbeit abnehmen. Allerdings musst du für diese Leistung natürlich eine Provision bezahlen. Achte darauf, dass es sich um einen seriösen Anbieter handelt. Nimm auch hier die Website genau unter die Lupe und sieh dir Referenzen und Bewertungen an.

Persönliches Netzwerk: Das ist die logischste und zugleich kritischste Anlaufstelle. Denn wer „friends, family and fools“ um Kapital bittet, setzt Freundschaftsbeziehungen aufs Spiel. Viel besser: Von Bekannten aus der Branche um Weiterempfehlungen und Referenzen bitten und damit „echte“ Investoren finden und überzeugen.

Crowdinvesting: (Schwarmfinanzierung) Dabei holst du viele Kleininvestoren ins Boot, die schlussendlich eine Rendite bekommen. Du kannst die Konditionen der Finanzierung recht frei bestimmen.

Wie viel Zeit musst du einplanen, um einen Investor zu finden?

Sechs Monate sind ein angemessener Zeitrahmen. Achtung allerdings: Wenn ein Investor gesucht wird, musst du immer damit rechnen, dass das deutlich länger dauern kann als gedacht. 12 Monate lang sollten deine Geschäfte auch ohne externe Finanzmittel weiterlaufen können. Leider gilt hier: Trial & Error; aber auch ein Funken Glück spielen bei der Investorensuche mit.

Worauf achten Investoren?

Du musst die richtigen Investoren nicht nur finden, sondern auch überzeugen! Bevor du das erste Treffen mit einem Startup-Investor vereinbarst, solltet ihr euer Auftreten im Gründerteam genau abstimmen. Wenn euch jemand sein Vertrauen (und seine Finanzen) geben soll, dann möchte er sehen, dass ihr ein starkes Team seid – idealerweise schon mit Branchenerfahrung. Zeigt Arbeitswillen und Professionalität.

Entscheidend ist schlussendlich natürlich eure gute Idee, die mit Fakten und realistischen Plänen untermauert ist. Um diese zu präsentieren, brauchst du für jeden Investor – ob Venture Capital Gesellschaft oder Business Angel – drei Dokumente: den One Pager und das Pitch Deck, um neugierig zu machen, und den Businessplan, um den oder die Investorin zu überzeugen.

One Pager: Dieser fasst die wichtigsten Eckdaten des Startups oder der Idee auf einer Seite zusammen. Der One Pager dient nur dazu, einen ersten Eindruck zu vermitteln. Darauf basierend entscheiden potenzielle Investoren, ob sie überhaupt mehr vom Startup wissen möchten.

Pitch Deck: Auf 10-15 Seiten stellst du die Idee des Unternehmens vor. Führe durch Team, Geschäftsmodell und Erfolgspotenzial – idealerweise mithilfe von Storytelling. Weniger Text, dafür aber mehr attraktive Grafiken bleiben besser im Gedächtnis. Gib auch an, ab wann Investoren mit positiven Rückflüssen rechnen können. Aber sei ehrlich! Fachkundige Investoren durchschauen unrealistische Versprechungen ohnehin sofort!

Businessplan: Jetzt wird die Idee inklusive Finanzplan in allen Details ausgeführt. Prüfe sämtliche Zahlen und rechne Erfolgsprognosen mehrfach nach. Fehler wirken besonders schlampig! Kalkulationen für mehr als zwei Jahre im Voraus sind üblicherweise nicht notwendig; Marktstudien, Wettbewerbsanalyse und plausible Projektionen aber schon. Auch ein überzeugendes Marketingkonzept muss im Businessplan stehen. Eine Prise Optimismus bei der Erstellung ist in Ordnung, aber bitte keine maßlose Selbstüberschätzung.

Investoren gesucht! Welche Fehler sind zu vermeiden?

Wenn du selbst zu den Gründern gehörst, dann weißt du es aus erster Hand: Die Arbeit hört nie auf. Gehen dann langsam die Finanzmittel zur Neige, bricht schnell Panik im Gründerteam aus. Darum ist es so wichtig, dass du die Investorensuche nicht bis zur letzten Minute aufschiebst. Vermeide folgende Fehler, um Zeit und somit auch Geld zu sparen!

Unsystematisch, überstürzt oder wahllos vorgehen: Qualität vor Quantität! Überlege dir zuerst, welche Investoren dein Startup am besten vorwärtsbringen. Dann erstellst du einen Plan dafür, wo und wie du mit diesen Investoren Kontakt aufnehmen kannst, welche Events du besuchen und bei welchen Wettbewerben du mitmachen möchtest. Erst danach verfasst du persönliche Anfragen an die richtigen Ansprechpartner.

Langsame Kommunikation: Niemand wartet gerne auf Antworten – und ganz besonders nicht jemand, der seine Finanzmittel in dich investieren soll! Antworte zügig auf Anfragen und zeige, dass das Wachstum deines jungen Unternehmens höchste Priorität in deinem Terminkalender hat.

Keine Events besuchen: Auch introvertierte Gründer kommen nicht am Networking vorbei; nicht nur, um Investoren zu finden, sondern auch, um wichtige Kontakte zu knüpfen. Gründer-Events in deiner Nähe sind deshalb Pflichttermine!

Unausgereifte Unterlagen: Ein zweifelhafter Businessplan, abenteuerliche Beschönigungen oder das Fehlen von Marketingplan oder Marktanalyse sind Dinge, die bei potenziellen Investoren die Alarmglocken läuten lassen. Deine Idee kann noch so gut sein; wenn die Ausführung nicht durchdacht ist, wird niemand in dich investieren.

Kein genauer Kapitalbedarf: Wer nach Geld fragt, muss wissen, wie er es zielführend einsetzt. Schwammige Forderungen erwecken den Anschein, als wäre deine Geschäftsidee nicht ausreichend geplant. Ein weiterer hilfreicher Tipp: Kalkuliere einen Sicherheitspuffer in deine Finanzierungsforderung ein. Weder Investoren noch Banken mögen es, wenn nachträglich nach mehr Geld gefragt wird.

Uneinigkeit im Gründerteam: Nicht immer müssen alle Gründer derselben Meinung sein. Das ist auch in Ordnung. Was aber nicht geht: diese Unstimmigkeiten vor dem Investor auszubreiten. Der sieht darin Unternehmer, die nicht kritik- und konfliktfähig sind. Ein No-Go!

Das günstigste Angebot nehmen: Du hast tatsächlich einige Investorenangebote erhalten? Großartig! Nun musst du dich nur noch für das beste entscheiden. Das ist aber nicht automatisch jenes mit der dicksten Finanzierung. Häufig unterschätzen Unternehmer, wie viel Einfluss ein Investor durch den Verkauf von Anteilen hat. Denkt auch eine eventuelle Kreditlaufzeit individuell durch: Was passt am besten zu eurer Situation? Nimm schlussendlich auch den Investor selbst kritisch unter die Lupe: Welche Referenzen und Erfolge kann er oder sie vorweisen? Kannst du eventuell mit zuvor finanzierten Startups Kontakt aufnehmen? Und auf welchen geografischen Fokus oder welche Branche ist er oder sie spezialisiert? Es kann zielführender sein, auf ein attraktives Finanzpaket zu verzichten, wenn du dafür jemanden ins Boot holst, der in genau deinem Bereich Experte ist!

Über den Autor:

Max Karänke, studierter Betriebswirt, Immobilienökonom (ebs) und Dipl. Sachverständiger (DIA) bloggt auf KARÄNKE über Immobilienwissen und Themen die ihn im Alltag interessieren. Im Rahmen seiner Tätigkeit hat er einen engen Draht zu privaten wie institutionellen Investoren im Immobiliensektor.

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